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Die griechische Königsfamilie im Porträt: Alles Wichtige zur Geschichte des Königshauses um Konstantin II.

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Von: Eva-Maria Moosmüller

Die griechische Königsfamilie hat eine turbulente Vergangenheit. Hier lesen Sie alles Wissenswerte über die Historie des Königshauses, Exil-König Konstantin II. und seine Familie.

Athen – Die griechische Königsfamilie entstammt dem dänisch-deutschen Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, das von 1863 bis 1924 sowie von 1935 bis 1973 regierte. Der letzte griechische Monarch war König Konstantin II., der das Land 1967 nach einem Militärputsch verlassen musste. Zusammen mit seiner Ehefrau Anne-Marie von Dänemark und den gemeinsamen Kindern lebte er daraufhin im Exil. 1973 wurde in Griechenland das Ende der Monarchie proklamiert und das Königreich wurde zur Republik.

Im Jahr 1994 entzog der Staat der königlichen Familie sämtliche Anwesen, darunter auch die Residenz Tatoi. Konstantin II. ging gegen die Enteignung vor, zog vor Gericht und erkämpfte eine Entschädigung in Millionenhöhe.

Über die Jahre wurde auch das strenge Einreiseverbot für die Königsfamilie gelockert. Seit 2013 leben Konstantin und Anne-Marie wieder in Griechenland, haben sich jedoch größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die griechische Königsfamilie: Wer gehört zum Königshaus?

Konstantin II. ist das Oberhaupt der griechischen Königsfamilie. Er war zwischen 1964 und 1973 König von Griechenland, bevor die Monarchie offiziell abgeschafft wurde. Seit dem 18. September 1964 ist er mit der dänischen Prinzessin Anne-Marie verheiratet, der jüngeren Schwester von Königin Margrethe II. von Dänemark.

Gemeinsam haben Konstantin und Anne-Marie fünf Kinder: Prinzessin Alexia kam 1965 zur Welt, zwei Jahre später wurde mit Pavlos der Kronprinz geboren. 1967 verließ die königliche Familie nach dem Obristenputsch das Land, lebte fortan im Exil. In Rom bekam das Paar sein drittes Kind, Prinz Nikolaos. Prinzessin Theodora und Prinz Philippos kamen beide in London zur Welt. Neben dem griechischen Adelstitel, der aufgrund der Abschaffung der Monarchie nur noch formeller Natur ist, tragen die Nachkommen des Königspaars außerdem den Titel des Prinzen oder der Prinzessin von Dänemark.

Die griechische Königsfamilie feiert die Goldene Hochzeit des ehemaligen Königs Konstantin II. und seiner Ehefrau Anne-Marie.
Die Mitglieder der griechischen Königsfamilie sind gern gesehene Gäste in der internationalen High Society. © Zuma Wire/Imago

Vier der Royal-Sprösslinge sind inzwischen verheiratet und haben zum Teil selbst Nachwuchs. Kronprinz Pavlos ehelichte am 01. Juli 1995 in einer pompösen Zeremonie die britische Milliardärstochter Marie-Chantal Miller. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Prinzessin Maria-Olympia, Prinz Konstantinos-Alexios, Prinz Achileas-Andreas, Prinz Odysseas-Kimon und Prinz Aristidis Stavros.

Prinzessin Alexia ist seit 1999 mit dem spanischen Architekten Carlos Morales Quintana verheiratet und zieht mit ihm vier Kinder groß. Prinz Nikolaos wiederum gab seiner Partnerin Tatiana Ellinka Blatnik 2010 bei einer traditionellen Hochzeit in Griechenland das Jawort. Ende 2020 kam der jüngste Spross von Konstantin unter die Haube: Prinz Philippos vermählte sich mit seiner langjährigen Freundin Nina Flohr. Nur Prinzessin Theodora von Griechenland muss vorerst weiter mit dem Gang zum Altar warten. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie musste sie ihre geplante Trauung mit dem amerikanischen Anwalt Matthew Kumar verschieben.

Blickt man sich in anderen europäischen Königshäusern um, findet man dort ebenfalls Mitglieder oder entfernte Angehörige der griechischen Königsfamilie: Sofía von Spanien, die Schwester von Konstantin II., ist seit 1962 mit Altkönig Juan Carlos verheiratet. Prinz Philip, der verstorbene Ehemann von Queen Elizabeth II., war der Neffe von König Konstantin I. von Griechenland und stammte väterlicherseits ebenfalls aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Dadurch, dass die ehemalige Königin Griechenlands eine jüngere Schwester der dänischen Königin Margrethe II. ist, bestehen auch zu den Royals in Dänemark enge Bande.

Die griechische Königsfamilie und ihre lange Historie

Der erste König Griechenlands war ab 1832 der bayerische Prinz Otto aus dem Haus Wittelsbach, der zweite Sohn von König Ludwig I. Nach einigen Revolten wurde Otto aber 1862 abgesetzt. Die Wahl der griechischen Nationalversammlung fiel anschließend auf Prinz Wilhelm von Dänemark als neuen Monarchen. Er stammte aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und bestieg 1863 mit gerade mal 17 Jahren als König Georg I. den griechischen Thron. Die folgenden Jahre waren von innenpolitischen Unruhen und finanzieller Not geprägt. 1913 fiel König Georg I. einem Attentat zum Opfer. Daraufhin bestieg sein ältester Sohn als Konstantin I. den Thron. 1924 wurde die Republik in Griechenland ausgerufen und die Monarchie nach einem Referendum abgeschafft.

1935 führte die neue royalistische Regierung die Monarchie wieder ein und König Georg II., der Sohn Konstantins I., kehrte aus dem Exil zurück. Von 1936 bis 1941 regierte er an der Seite des Diktators Ioannis Metaxas. Als die Deutsche Wehrmacht 1941 in Griechenland einfiel, musste die königliche Familie wieder ins Exil fliehen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Land tief gespalten zwischen Anhängern der Monarchie und der Republik; Es folgte ein blutiger Bürgerkrieg. Am 01. April 1947 starb König Georg II. und sein Bruder Paul I. wurde König.

Die griechische Königsfamilie: Das Ende der Monarchie

Nach dem Tod von König Paul I. folgte ihm sein Sohn als Konstantin II. am 06. März 1964 auf den Thron. Der junge und relativ unerfahrene Monarch hatte ein angespanntes Verhältnis zum griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou, was schließlich mit dem Rücktritt des Politikers endete.

Es folgten eine Verfassungskrise und neue Unruhen im Land. Am 21. April 1967 kam es zu einem Militärputsch, der eine Diktatur einleitete. Der Monarch blieb anfangs passiv, startete aber im Dezember 1967 einen Gegenangriff, der jedoch scheiterte. Anschließend flüchtete er mit seiner Familie ins Exil nach Italien.

Bis 1974 wurde Griechenland vom Diktator Georgios Papadopoulos regiert. Dieser verkündete 1973 das Ende der Monarchie und rief die Republik aus. Mit der neuen demokratischen Regierung wurde im folgenden Jahr eine Volksabstimmung einberufen, bei der die Bürger über eine mögliche Rückkehr zur Monarchie abstimmen konnten. Deutliche 70 Prozent favorisierten eine Republik, was 1974 das offizielle Ende der königlichen Herrschaft in Griechenland bedeutete. Konstantin II. und seine Familie durften ihr Exil weiter nicht verlassen und zogen daraufhin nach England.

Am 11. Juni 1975 bekam Griechenland eine neue Verfassung, die bis heute gültig ist und das Land als parlamentarische Republik definiert. Staatsoberhaupt des Landes ist der Staatspräsident oder die Staatspräsidentin. Dieses Amt wird seit Januar 2020 von Katerina Sakellaropoulou bekleidet. Das Parlament hat die legislative Macht inne und wird alle vier Jahre vom Volk gewählt. Die Exekutive wird vom Ministerrat dargestellt, an dessen Spitze der Ministerpräsident, seit 2019 Kyriakos Mitsotakis, steht.

Die griechische Königsfamilie: Ein Leben im Exil 

Als klar war, dass die Königsfamilie nicht zurück in ihre griechische Heimat reisen durfte, bauten sich Konstantin II. und Anne-Marie in London ein neues Leben auf. Dort gründete das Paar eine griechische Schule, wo auch ihre eigenen Kinder unterrichtet wurden. Ein erster Heimatbesuch seit 14 Jahren ergab sich, als Konstantin 1981 zur Beerdigung seiner Mutter Königin Friederike nach Griechenland kommen durfte. Die Frau von König Paul I. wurde auf dem Familiensitz Tatoi neben ihrem Mann bestattet. Zwölf weitere Jahre vergingen, bis die Familie erneut griechischen Boden betrat – dieses Mal für einen Urlaub.

In den kommenden Jahren wurde das strikte Einreiseverbot gelockert und die Ferienreisen der griechischen Royals in ihre Heimat häuften sich. 2004 wurde Konstantin II. als Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees zu den Olympischen Spielen in Athen eingeladen. Dabei besuchte er auch das erste Mal seit 1967 wieder den Kronprinzenpalais, der heute Sitz der Staatspräsidentin ist, früher jedoch der Königsfamilie gehörte.

Im Jahr 1994 hatte die griechische Regierung sämtliche Anwesen und Residenzen der Königsfamilie zum Staatseigentum erklärt. Darunter war auch der Familiensitz Tatoi gefallen. Konstantin II. legte Protest gegen die Enteignung ein und zog vor Gericht. Es folgte ein jahrelanger Streit und der Fall landete schließlich sogar am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Das Gericht entschied im Jahr 2000 teilweise zugunsten der Königsfamilie: Konstantin II. erhielt eine millionenschwere Entschädigung, die Grundstücke blieben jedoch in der Hand des Staates. Mit der Summe gründete das ehemalige Königspaar die „Anna-Maria Foundation“, die seither von Naturkatastrophen betroffenen griechischen Bürgern hilft.

Die griechische Königsfamilie: Späte Rückkehr des ehemaligen Königspaares

Nachdem die Königsfamilie über die Jahre Stammgast im Ferienort Porto Heli geworden war, zogen Konstantin II. und Anne-Marie 2013 wieder dauerhaft nach Griechenland, um dort ihren Ruhestand zu genießen. Davor hatten sich bereits Prinz Nikolaos und seine Frau Prinzessin Tatiana dort niedergelassen.

Öffentlich abgedankt oder auf den Thron verzichtet, hat Konstantin II. übrigens nie. In vergangenen Interviews betonte er jedoch, keinerlei Ambitionen mehr auf den Thron zu haben und verwies auf sein fortgeschrittenes Alter. Aus der Öffentlichkeit hat sich der Ex-Monarch bereits seit längerem zurückgezogen. Auch der Rest seiner Familie spielt in der griechischen Politik und Regierung keine Rolle, ist allerdings gern gesehener Gast bei royalen Events oder Veranstaltungen der internationalen High Society.

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