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Residenz Tatoi bei Athen: Der ehemalige Wohnsitz der griechischen Königsfamilie

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Von: Larissa Glunz

Der ehemalige König Konstantin II. und Königin Anne-Marie waren die letzten griechischen Royals, die die Residenz Tatoi bewohnten. Heute ist das Anwesen Staatseigentum.

Athen – Die Residenz Tatoi ist der ehemalige Wohnsitz der griechischen Königsfamilie und befindet sich in Dekeleia etwa 20 Kilometer nördlich von Athen. Das 4.500 Hektar große Gelände wurde 1872 von König Georg I. erworben und daraufhin stetig weiterentwickelt. Nachdem Tatoi erst als Sommerresidenz dienen sollte, wurde es Mitte des 20. Jahrhunderts zum Hauptwohnsitz der hellenischen Royals.

Nach der Abschaffung der Monarchie erklärte die griechische Regierung Tatoi 1994 zum Staatseigentum. Der im Exil lebende Ex-König Konstantin II. legte Widerspruch ein, musste sich jedoch mit einer finanziellen Entschädigung zufriedengeben. 2019 gab das griechische Kulturministerium Restaurierungsarbeiten in Auftrag, um das vernachlässigte Anwesen in ein Museum zu verwandeln.

Residenz Tatoi: Die Geschichte des griechischen Anwesens

König Georg I. erwarb das Anwesen Tatoi im Jahr 1872 von dem griechischen Politiker Skarlatos Soutsos. Damals befanden sich auf dem Gelände lediglich eine Reihe von Bauernhütten sowie ein schlichtes Haus. Die Hauptresidenz wurde unter der Leitung des Architekten Savvas Boukis konstruiert, der sich eine Villa in der königlichen Anlage des Schlosses Peterhof zum Vorbild nahm. Dafür reiste er sogar extra nach St. Petersburg. Das fertige Herrenhaus diente der königlichen Familie anschließend von Mai bis Spätherbst als Sommerresidenz. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde das Gelände um weitere Gebäude wie eine Metzgerei, eine Kellerei sowie zwei Kirchen erweitert. Nach seinem Tod wurde König Georg I. 1913 auf dem Königlichen Friedhof im Park des Schlosses beigesetzt, wie auch alle kommenden Monarchen nach ihm.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts setzte ein dunkles Kapitel für die Residenz Tatoi ein. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Hauptgebäude vollständig niedergebrannt. In den 1920er-Jahren wurden dann auch noch die meisten Besitztümer gestohlen. Als sich die königliche Familie während des Zweiten Weltkriegs ins Exil begab, fällte die deutsche Wehrmacht den Großteil des Waldgebiets, um daraus Brennstoff zu gewinnen. Erst 1946 kehrte König Georg II. zurück in die Residenz und Tatoi wurde von der Sommerresidenz zum Hauptwohnsitz der royalen Familie, da die Königsfamilie das ländliche gelegene Schloss dem Kronprinzenpalais im Herzen Athens vorzog. Sein Neffe König Konstantin II. von Griechenland musste 1967 nach einem Militärputsch ins Exil fliehen und das Schloss hinter sich lassen – nichtsahnend, dass er nie wieder zurück hinter die royalen Mauern kehren würde.

Die ehemalige Königsresidenz Tatoi im Ortsteil Dekeleia in der griechischen Stadt Acharnes
Die ehemalige royale Residenz Tatoi hat ihren alten Glanz verloren, eine umfangreiche Restaurierung soll das ändern. © IMAGO/PPE/Christophersen

Residenz Tatoi: Die staatliche Enteignung der königlichen Residenz

1974 stimmten die griechischen Bürger in einem Referendum gegen eine Beibehaltung der Monarchie, nachdem der Diktator Georgios Papadopoulos sie bereits im Jahr davor abgeschafft hatte. Der entthronte Konstantin II. und seine Frau Königin Anne-Marie mussten Griechenland also weiter fernbleiben. Im Jahr 1994 konfiszierte die griechische Regierung sämtliche Schlösser und Anwesen der königlichen Familie – darunter auch die Residenz Tatoi.

Gegen diese Entscheidung klagte der Ex-Monarch vor Gericht. Der Fall ging sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Laut Konstantin gehöre das Anwesen rechtmäßig seiner Familie und wurde über Generationen weitervererbt. Die Regierung dagegen verwies darauf, dass die Monarchie offiziell abgeschafft wurde und sämtliche Eigentümer der royalen Familie damit an den Staat übergegangen seien. Letztendlich erhielt der König eine Entschädigung, allerdings blieb Tatoi in staatlichem Besitz. Damit erhielt Konstantin nur ein Bruchteil dessen zurück, was die Grundstücke tatsächlich wert waren.

Die Residenz Tatoi heute

Aufgrund seiner bewegten Geschichte sind die Gebäude auf dem Anwesen Tatoi heute in einem sehr schlechten Zustand. Mit dem Auszug der königlichen Familie wurde die Residenz stark vernachlässigt. Nachdem Tatoi 2003 zum Staatseigentum wurde, wurde es vom griechischen Kulturministerium als historische Stätte deklariert. Über die Jahre änderte die Regierung allerdings immer wieder seine Pläne, was mit dem Anwesen geschehen sollte.

Bereits früh entstand die Idee, die Gebäude in ein Museum zu verwandeln, zwischendurch wurden jedoch auch Ideen verfolgt, dort ein Weingut oder ein Resort für Touristen zu errichten. Die „Friends of Tatoi Association“ setzt sich seit 2012 für eine Restaurierung des früheren Königssitzes ein. Fehlende finanzielle Mittel und politische Gleichgültigkeit führten allerdings dazu, dass lange Zeit nichts mit den Gebäuden passierte. Ende 2019 wurde schließlich mit der aufwändigen Renovierung begonnen. Das Hauptgebäude soll in ein Museum über die königliche Familie verwandelt werden, überdies soll auf dem Gelände ein Luxus-Hotel entstehen.

Durch die Restaurierung wurden große Mengen historisch wertvoller Objekte entdeckt. Darunter befanden sich etwa siebzig Koffer der 1981 verstorbenen Königin Friederike, dutzende ungeöffneter Weinflaschen aus den 1950er-Jahren sowie weitere kostbare Antiquitäten und Kunstwerke.

Die Arbeiten werden von Archäologen überwacht, die sicherstellen, dass diese Artefakte als bedeutender Teil der griechischen Geschichte mit der nötigen Sorgfalt behandelt werden. Heute ist das Grundstück der Öffentlichkeit zugänglich, wenn auch bisher ohne offizielle Leitung.

Die Gebäude auf dem griechischen Anwesen Tatoi

Das Gelände Tatoi umfasst 4.500 Hektar und ist dicht bewaldet. Auf dem Anwesen befanden sich zeitweise unter anderem ein Bauernhof, ein Hotel, Ställe und ein Schwimmbecken. Unweit des Schlosses liegt außerdem der Militärflugplatz Dekelia, früher Flughafen Tatoi genannt, der 1918 eröffnet wurde. Relativ bekannt ist der Königliche Friedhof im Schlosspark von Tatoi, da dort fünf griechische Könige bestattet wurden. Auch die Mutter des abgesetzten Königs Konstantin II., Königin Friederike, fand hier 1981 die letzte Ruhe.

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