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Die Japanische Kaiserfamilie: Darum wird Kaiser Naruhito Tochter Aiko nicht auf den Thron folgen

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Von: Jasmin Pospiech

Die japanische Kaiserfamilie wird angeführt von Kaiser Naruhito. Gemeinsam mit Kaiserin Masako übernimmt er vor allem repräsentative Aufgaben.

Tokio – Japan gilt als älteste Erbmonarchie der Welt. An ihrer Spitze steht der Tennō (deutsch: Kaiser). Seit seiner Gründung um 600 vor Christus zählt das japanische Kaiserhaus mit Kaiser Naruhito (61) inzwischen den 126. Tennō. Nach dem Rücktritt seines Vaters Akihito (87) übernahm Naruhito am 01. Mai 2019 die Amtsgeschäfte. Ein japanischer Tennō regiert auf Lebenszeit, seine korrekte Anrede lautet „Tennō heika“ (Kaiserliche Majestät). Sitz des Kaisers ist der Kaiserpalast in Tokio.

Über die Jahrhunderte hinweg war der Tennō sowohl weltliches als auch religiöses Staatsoberhaupt. Das 19. Jahrhundert erhob ihn zu einem gottähnlichen Wesen und hüllte ihn in eine mystisch verklärte Aura. Erst eine neue Verfassung aus dem Jahr 1947 nahm dem Kaiser seinen bis dahin geltenden Herrschaftsanspruch und seine gottähnliche Stellung. Von nun an war sein Wirken auf rein repräsentative Aufgaben beschränkt. Ansprachen, Auftritte und Reisen legte die Regierung fest, das Leben am Hof bestimmte das konservative Hofamt.

Alle Mitglieder der japanischen Kaiserfamilie hatten sich an ein strenges Hofzeremoniell zu halten, das stark von der Einhaltung formeller Rituale geprägt war. Beamte des kaiserlichen Hofes wachten über deren Einhaltung und alle bisherigen Versuche, sich den strengen Regeln zu widersetzen und das Leben am Kaiserhof liberaler zu gestalten, waren zum Scheitern verurteilt.

Die japanische Kaiserfamilie: Akihito, der Vater von Kaiser Naruhito

Akihito kam am 23. Dezember 1933 in Tokio zur Welt. Getrennt von seinen Eltern wurden er und seine Geschwister außerhalb des Palastes von Hofbeamten erzogen. In den Jahren der US-Besatzung erhielt Akihito Privatunterricht durch eine amerikanische Lehrerin. Sie brachte ihm die englische Sprache bei und gewährte ihm erste Einblicke in die Kultur und die Lebensweise der westlichen Welt. Im Anschluss an seine Schulzeit studierte Akihito Volkswirtschaft, Politikwissenschaft und Meeresbiologie.

Am 10. April des Jahres 1959 heiratete die bürgerliche Michiko Shōda (86) in die japanische Kaiserfamilie ein. Um sie ehelichen zu können, hatte Akihito zunächst mit einer 1.500 Jahre alten Tradition brechen müssen. Denn Hauptfrau des Kaisers konnte bis dato nur werden, wer dem japanischen Erbadel entstammte. Akihito bekam mit seiner Frau Michiko drei Kinder: Kaiser Naruhito, Kronprinz Fumihito (55) und Prinzessin Sayako Kuroda (51).

Nach dem Tod seines Vaters bestieg Akihito am 07. Januar 1989 als 125. Kaiser den japanischen Chrysanthementhron. 30 Jahre lang hatte er sein Amt inne, bevor er am 30. April 2019 aus gesundheitlichen Gründen abdankte. Sein Auftreten als Kaiser war stets von Zurückhaltung und Bescheidenheit geprägt. Beim Volk genoss das Kaiserpaar hohes Ansehen und tiefe Verehrung. Als emeritierter Kaiser und emeritierte Kaiserin von Japan genießen beide ihren Ruhestand.

Die japanische Kaiserfamilie: Naruhito, der amtierende Kaiser

Kaiser Naruhito von Japan kam am 23. Februar 1960 als erstes Kind von Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko in Tokio zur Welt. Nach der Schulzeit studierte Naruhito Geschichte an der Universität von Tokio und wechselte im Anschluss an die Universität von Oxford. Im Oktober des Jahres 1986 war Naruhito im Rahmen eines Empfangs erstmals auf seine zukünftige Ehefrau Masako Owada (57) getroffen. Weder Masakos Eltern noch das kaiserliche Hofamt waren mit der Verbindung einverstanden, geheiratet wurde dennoch. Am 01. Dezember 2001 kam Prinzessin Aiko (19) zur Welt, weitere Kinder waren der japanischen Kaiserfamilie nicht vergönnt.

Japanische Kaiserfamilie im Sommerurlaub.
Noch ist Kaiser Naruhito Oberhaupt der japanischen Königsfamilie. Ihm wird sein Bruder auf den Thron folgen. © dpa/kyodo

Mit der Abdankung seines Vaters Akihito übernahm Naruhito am 01. Mai 2019 den Thron und wurde zum 126. Kaiser von Japan ausgerufen. Er gilt als zurückhaltend, freundlich, bescheiden und traditionsbewusst, von seinem Volk wird er sehr verehrt. Da ein Gesetz aus dem Jahr 1947 weibliche Nachkommen kategorisch aus der Thronfolge ausschließt, kommt Prinzessin Aiko als Nachfolgerin ihres Vaters nicht in Frage.

Die Japanische Kaiserfamilie: Fumihito, der jüngere Bruder des Kaisers

Prinz Fumihito kam als zweites Kind seiner Eltern Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko am 30. November 1956 in Tokio zur Welt. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Nach der Schule zog es ihn an die Universität von Tokio, wo er Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Biologie studierte. Im Anschluss folgten ein Studium in Oxford, Dissertation und Doktorwürde. Bereits während seiner Studienzeit in Tokio war Fumihito auf die Studentin Kiko Kawashima (54) getroffen.

Wie sein Vater Akihito und sein Bruder Kaiser Naruhito entschied auch er sich für eine Frau bürgerlicher Herkunft. Nach fünf Jahren Beziehung folgte am 29. Juni 1990 die Hochzeit. Gemeinsam mit seiner Frau Kiko hat er drei Kinder. Nach den beiden Prinzessinnen Mako (29) und Kako (26) erblickte am 06. September 2006 Prinz Hisahito (14) das Licht der Welt. Mehr als 40 Jahre lang hatte die japanische Kaiserfamilie auf die Geburt eines Jungen warten müssen, entsprechend groß war die Freude bei Familie, Volk und Medien über den Fortbestand der kaiserlichen Linie.

Mit der Inthronisierung seines Bruders Naruhito rückte Fumihito auf Rang Eins der japanischen Thronfolge vor. Offiziell erfolgte seine Benennung zum Kronprinzen im Rahmen einer feierlichen Zeremonie durch Kaiser Naruhito am 08. November 2020.

Die Japanische Kaiserfamilie und die Frage nach der Thronfolge

Seit einer Verfassungsänderung aus dem Jahr 1947 war es weiblichen Mitgliedern der japanischen Kaiserfamilie untersagt, den Chrysanthementhron zu besteigen. Dies galt lange Zeit als Problem, hatten doch Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako ihrer Tochter Aiko das Leben geschenkt, die den Thron nicht würde übernehmen dürfen. Auch Kronprinz Fumihito und Kronprinzessin Kiko waren bis zum Jahr 2006 Eltern zweier Töchter. Zwischen Reformern und Traditionalisten entbrannte ein Streit darüber, ob eine erneute Verfassungsänderung Aiko begünstigen könne.

Mehr als 80 Prozent der japanischen Bevölkerung hätten Prinzessin Aiko gern als Kaiserin auf dem Chrysanthementhron gesehen. Im Jahr 2006 beendete die Geburt von Prinz Hisahito diese Diskussion. Sie wird erst dann wieder aufflammen, wenn es Prinz Hisahito in Zukunft nicht gelingen sollte, einen männlichen Thronfolger in die Welt zu setzen. Ohne eine Gesetzesänderung würde dies das endgültige Aus für die japanische Kaiserfamilie bedeuten. Derzeit (Stand 2021) sieht die Thronfolge der japanischen Monarchen folgende Rangordnung vor:

Die Japanische Kaiserfamilie und der Umgang mit weiblichen Mitgliedern

Prinzessin Aiko, die Tochter von Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako, ist aufgrund ihres Geschlechts von der Thronfolge ausgeschlossen. Dies war nicht immer so, die japanische Geschichte berichtet von insgesamt acht Kaiserinnen. Aikos Leben fand von Kindesbeinen an abgeschirmt hinter den Mauern des Kaiserpalastes Tokio statt. Ihre Schulzeit war von Mobbing und Leistungsdruck geprägt, es folgten Fehlzeiten und ein Krankenhausaufenthalt.

Seit Februar 2020 ist sie als Studentin an der Universität von Tokio eingeschrieben. Ihre Mutter, Kaiserin Masako, zahlte einen hohen Preis dafür, dass sie ihr selbstbestimmtes Leben als angehende Diplomatin gegen Hofetikette, Dauerbeobachtung und Unterordnung eintauschte. Viele Jahre litt sie unter Depressionen, vom Kaiserpalast offiziell als „stressbedingte Anpassungsstörungen“ bezeichnet.

Auch Sayako Kuroda, die Schwester des amtierenden Kaisers, verliebte sich wie ihr Vater und ihre beiden Brüder in einen Bürgerlichen. Sich für ihn zu entscheiden zog einschneidende Konsequenzen nach sich: Nach ihrer Hochzeit im November 2005 musste sie ihre Titel aufgeben und wurde aus der japanischen Kaiserfamilie ausgeschlossen.

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