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Die schwedische Königsfamilie: Alles Wissenswerte über das Königshaus mit 1.000-jähriger Tradition

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Von: Eva-Maria Moosmüller

Die schwedische Königsfamilie im Porträt: Von Mitgliedern bis hin zur Geschichte des Nachnamens Bernadotte – alles, was Royal-Fans wissen müssen.

Stockholm – Das schwedische Königshaus ist eines der sieben verbleibenden in Europa. Es kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken und wird gerade in der heutigen Zeit vor allem durch die jungen Prinzen und Prinzessinnen der royalen Familie vom Volk geliebt.

Das schwedische Staatssystem ist zwar eine parlamentarische Monarchie, in dem der König das Staatsoberhaupt ist, politisch allerdings kaum noch Funktionen übernimmt – trotzdem sind die Mitglieder der schwedischen Königsfamilie beim Volk beliebt.

Die Königsfamilie entstammt dem Bernadotte-Geschlecht, das seit 1818 in Schweden regiert und der aktuelle König ist Carl XVI. Gustaf (74), der 2018 zum am längsten amtierenden König der schwedischen Geschichte wurde. Verheiratet ist der Royal mit der bürgerlichen Deutschen Silvia Sommerlath (77), mit der er drei Kinder hat.

Seit 1980 steht bereits fest, dass Kronprinzessin Victoria (43) eines Tages die erste Königin von Schweden sein wird, ohne einen König als Ehemann zu haben. Das Thronfolgegesetz ließ König Carl XVI. Gustaf eigens für sie ändern und wird den Thron somit an seine Tochter weitergeben.

Die schwedische Königsfamilie: Die wichtigsten Mitglieder

Die Hauptfamilie des schwedischen Königshauses besteht aktuell aus König Carl XVI. Gustaf, dessen Ehefrau Königin Silvia und den drei gemeinsamen Kindern. Das Königspaar lernte sich 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München kennen, wo die bürgerliche Deutsche Silvia Sommerlath als Chefhostess arbeitete. Sie verlobten sich im März 1976. Im Juni folgte die Hochzeit in der Storkyrkan-Kirche in Stockholm und die Familie wurde durch die Geburten der drei Kinder komplettiert.

Die schwedische Königsfamilie

Die schwedische Königsfamilie mit König Carl XVI. Gustaf an der Spitze: Ihm wird seine Tochter Victoria auf den Thron folgen. © Christine Olsson/TT NEWS AGENCY/AP/dpa

Tochter und Kronprinzessin Victoria Ingrid Alice Désirée kam am 14. Juli 1977 zur Welt, Sohn Prinz Carl Philip Edmund Bertil (41) am 13. Mai 1979 und Tochter Prinzessin Madeleine Thérèse Amelie Josephine (38) wurde am 10. Juni 1982 geboren. Das Königspaar wurde durch seine drei Kinder, die alle bürgerlich heirateten, bereits vielfach zu Großeltern gemacht.

Kronprinzessin Victoria, die beim Volk vor allem durch ihre herzliche Ehrlichkeit und ihre moderne Denkweise beliebt ist, bekam 2012 mit ihrem Ehemann Prinz Daniel, den sie 2010 heiratete, Tochter Prinzessin Estelle Silvia Ewa Mary (9) und 2016 Sohn Oscar Carl Olof (4).

Prinz Carl Philip heiratete 2015 seine Verlobte Sofia Hellqvist (36) und wurde Vater der Söhne Alexander Erik Hubertus Bertil (4) und Gabriel Carl Walther (3). 2021 bekommen Carl Philip und Prinzessin Sofia zum dritten Mal Nachwuchs.

Prinzessin Madeleine heiratete 2013 den britisch-amerikanischen Geschäftsmann Christopher O’Neill (46), der offiziell nicht zur Königsfamilie gehört, weil er keinen Titel und keine schwedische Staatsangehörigkeit hat und bekam mit ihm die Töchter Leonore Lilian Maria (6) und Adrienne Josephine Alice (2) sowie den Sohn Nicolas Paul Gustaf (5).

Die schwedische Königsfamilie: Wer gehört noch zum Königshaus?

Neben dieser Stammfamilie gibt es noch weitere Mitglieder des schwedischen Königshauses. König Carl XVI. Gustaf wurde als jüngstes und fünftes Kind, jedoch als einziger Sohn, des Herzogs von Västerbotten, Gustav Adolf Erbprinz von Schweden (40, †1947), und seiner deutschen Ehefrau Prinzessin Sibylla (64, †1972) geboren. Er wuchs mit seinen vier Schwestern Margaretha Désirée Victoria (86), Birgitta Ingeborg Alice (84), Désirée Elisabeth Sibylla (82) und Christina Louise Helena (77) auf Schloss Haga bei Stockholm auf.

Alle vier Schwestern des Königs leben noch. Bis auf Christina überlebten sie auch alle ihre Ehemänner und alle vier haben jeweils drei eigene Kinder.

Die schwedische Königsfamilie: Staatssystem und Funktion des Königs

Das schwedische Staatssystem ist eine parlamentarische Monarchie. Das bedeutet, dass es einen Ministerpräsidenten, ein Parlament, einen Reichstag und eine politisch demokratische Regierung gibt, die Vertreter werden durch das Volk gewählt.

Der König ist das zwar das Staatsoberhaupt des Landes, hat politisch aber nur noch sehr wenige Funktionen. Größtenteils beschränken sich die Aufgaben des schwedischen Königshauses daher auf zeremonielle Anlässe und die Repräsentation des Landes. Die Mitglieder der Königsfamilie müssen politisch neutral sein und das Staatsoberhaupt genießt politische Immunität. Auch unterzeichnet der König in Schweden keine Gesetze und setzt auch keine Regierungen ein.

Die Aufgaben, die der schwedische König im politischen Rahmen ausführt, sind gering. Er eröffnet lediglich jedes Jahr das neue Geschäftsjahr im Reichstag, das in Schweden „Riksmöte“ genannt wird, führt diese Aufgabe aber auch eher als Zeremonie und weniger als politische Handlung aus.

Außerdem muss der König als Versammlungsvorsitzender des Beirats für Auswärtige Angelegenheiten bei wichtigen außenpolitischen Entscheidungen in Kenntnis gesetzt werden. Im Kriegsfall ist es der König, der das 50-köpfige Notparlament einsetzt, dennoch ist der König davon kein ordentliches Mitglied, obwohl er offiziell den Vorsitz hat. Jedoch darf er bestimmen, ob die Mitglieder über die besprochenen Inhalte der Sitzungen und Besprechungen der Schweigepflicht unterliegen oder nicht.

Die schwedische Königsfamilie: So funktioniert die Thronfolge

Das Thronfolgerecht übersprang bis 1980 traditionell die Prinzessinnen der Königsfamilie und machte bisher nur die männlichen Thronerben zum Staatsoberhaupt des Landes. 1810 wurde das schwedische Thronfolgegesetz, das Successionsordningen, verfasst und ist der älteste Bestandteil der schwedischen Verfassung.

Nachdem König Carl XVI. Gustaf im Jahr 1977 mit Ehefrau Silvia aber Tochter Victoria bekommen hatte, ließ er dieses Gesetz überarbeiten und seit 1980 ist es auch weiblichen Nachkommen der Bernadotte-Linie möglich, Königin zu werden. Das Thronerbrecht ist seit 1980 allerdings auch auf die Nachkommen von Bernadotte beschränkt. Nachkommen einer anderen Blutlinie von Karl XIV. Johanns (81, †1844) sind von der Thronfolge ausgeschlossen, nur direkte Nachfahren des aktuellen Königs sind erbberechtigt.

Das Gesetz schreibt außerdem vor, dass die Mitglieder der Königsfamilie der evangelisch-lutherischen Kirche angehören und in diesem Glauben erzogen sein müssen. Einer Eheschließung eines Royals muss sowohl der König als auch die schwedische Regierung zustimmen. Sollte aber der König oder die Königin noch unverheiratet sein, kann er oder sie aber ohne Zustimmung der Regierung eine Ehe eingehen.

Die schwedische Königsfamilie: Die Geschichte der Bernadotte-Dynastie

Die Geschichte des schwedischen Königshauses lässt sich mehr oder weniger detailliert bis ins Mittelalter zurückverfolgen und bereits seit dem späten 10. Jahrhundert herrschten in der Region verschiedene Adelsgeschlechter, die sich durch Kriege und Aufstände abwechselten und gegenseitig vom Thron stürzten. Seit 1818 regiert in Schweden die Bernadotte-Dynastie, von der auch die heute lebenden Mitglieder der Königsfamilie abstammen.

Im Jahr 1810 wurde der französische General Napoleons, Jean-Baptiste Bernadotte (81, †1844), der aus einer bürgerlichen Familie stammte, vom schwedischen Reichstag zum Kronprinzen gewählt. Der damalige König, Karl XIII. (69, †1818), hatte den Thron von seinem abgesetzten Neffen übernommen und danach eine sehr frankreich-freundliche Politik betrieben. Da er aber keine eigenen Kinder hatte, adoptierte er den Kronprinzen, sodass dieser nach seinem Ableben 1818 zum König Schwedens wurde.

Bernadotte wandte sich bereits kurz nach seiner Ernennung zum Kronprinzen gegen Napoleon (51, †1821), führte in seiner eigentlichen Regentschaft von 1818 bis 1844 aber eine friedliche Politik und sorgte für kulturellen und wissenschaftlichen Aufschwung im Land. Nach ihm kam sein Sohn Oskar I. (60, †1859) auf den Thron.

In der Geschichte der Bernadotte-Dynastie gab es bereits vier Prinzen, die aufgrund von als unangemessen angesehenen Ehen auf ihren Titel „Prinz von Schweden“ verzichteten oder verzichten mussten. Wer sich zu diesem Schritt entscheidet, trägt infolgedessen statt einem Titel den Nachnamen Bernadotte.

König Carl XVI. Gustaf ist der sechste Nachkomme von Jean-Baptiste Bernadotte. Er ist allerdings der erste in der Bernadotte-Dynastie, der den Thron nicht von seinem Vater, sondern von seinem Großvater, König Gustav VI. Adolf (90, †1973), geerbt hat, da sein Vater bereits früh verstorben war. Nach dem Tod des Großvaters wurde Carl XVI. Gustaf bereits im Alter von 27 Jahren zum König gekrönt.

Seit 2016 war er der am längsten regierende König des unabhängigen Königreiches Schweden und seit 2018 ist seine Amtszeit auch offiziell die längste in der gesamten schwedischen Geschichte.

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