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Wenn Adel adoptiert: So läuft das Geschäft mit den Titeln

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Sie sind die schwarzen Schafe der deutschen Adelsfamilien: Adelige, die ihre Titel nur erkauft oder durch Adoption erworben haben – ganz ohne „blaues Blut“.

München – Etwa 80.000 Adelige gibt es derzeit in Deutschland. Nach Gründung der Weimarer Republik wurde der Adel 1919 zwar offiziell abgeschafft und seiner Vorrechte enthoben. Seither sind die Titel Prinz oder Prinzessin, Herzog oder Herzogin, Fürst oder Fürstin, Graf oder Gräfin etc. nur noch ein Bestandteil des Namens. Ein Recht auf Anrede mit ihren Titeln haben die betreffenden Personen nicht mehr. Im täglichen Umgang aber werden immer noch Mitglieder des deutschen Adels oft und gerne mit Titel angesprochen. Ebenso wird auch heute noch die Anrede „Seine Hoheit“, „Ihre Durchlaucht“ oder Ähnliches verwendet. Zum Teil aus Respekt, zum Teil in der Annahme, dass dies eben so sein müsse.

Wenn Adel adoptiert: So läuft das Geschäft mit den Titeln

Der Adel bleibt gerne unter sich. Es wird mehrheitlich zwischen den Familienmitgliedern verschiedenster Adelsgeschlechter geheiratet. So bleibt das „blaue Blut“ unverdünnt, auch wenn in der heutigen Zeit zahlreiche Prinzen und Prinzessin ihre Lebenspartner abseits des Hochadels in bürgerlichen Familien finden.

Wer zum Adel gehört, ist in den „Gothaischen Genealogischen Handbüchern“ des Deutschen Adelsarchivs Marburg aufgeführt. Sie bilden die Stammbäume und Historien der Adelsfamilien ab. Jede Familie ist angehalten, ihre Familiengenealogie mindestens im Generationsabstand zu veröffentlichen. Wer in diesen Büchern steht, die kurz „Gothas“ genannt werden, gehört quasi dazu.

Diese exklusive Vereinigung ruft natürlich immer wieder auch Emporkömmlinge auf den Plan, die entweder selbst adelig sein möchten oder mit diesem Wunsch anderer Personen Geld verdienen. Der Bekannteste unter ihnen ist sicherlich Titelhändler Consul Weyer Graf von Yorck oder bürgerlich Hans-Hermann Weyer (82). Durch ihn wurden einige hochkarätige Adelshäuser von adoptierten Adeligen unterwandert. Auch wenn diese nicht zum Adel gehören und dementsprechend auch nicht in den „Gothas“ erscheinen, tragen sie den Namen der entsprechenden Familie – zum Teil mit einem kleinen Unterschied im Namenszusatz, der den echten Titel erkennbar macht.

Wenn Adel adoptiert: Prinz Frédéric von Anhalt hieß mal Hans-Robert Lichtenberg

Einer der bekanntesten Vertreter dieser Spezies ist Prinz Frédéric von Anhalt (77), Ehemann und Witwer von Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor (99, † 2016). Als Hans-Robert Lichtenberg geboren, adoptierte ihn Prinzessin Marie Auguste von Anhalt (84, † 1983) und machte ihn damit zu Prinz Frédéric von Anhalt. Dafür bezahlte er ihr angeblich bis zu ihrem Tod eine monatliche Rente von 2.000 D-Mark.

Prinz Eduard von Anhalt (79), Familienoberhaupt des Adelsgeschlechts und Neffe der adoptionswilligen Prinzessin Marie Auguste, sieht Prinz Frédéric nicht als rechtmäßiges Mitglied der Familie. Vermittelte Erwachsenen-Adoptionen werden von den Familien generell nicht anerkannt. Das deutsche Adoptionsrecht sieht ihn dagegen schon als Teil der Familie.

Prinz Frédéric von Anhalt im Anzug
Der Adel lässt grüßen: Prinz Frédéric von Anhalt steht gerne im Rampenlicht. © dpa/Annette Riedl

Wenn Adel adoptiert: Prinz Frédéric von Anhalt hat schon fünf Prinzen adoptiert

Die Meinung von Prinz Eduard kümmert den umtriebigen Hans-Robert bzw. Frédéric, der sich auch für Reality-Shows nicht zu schade ist*, wenig. Er selbst adoptiert munter weiter. Mittlerweile hat er fünf Prinzen von Anhalt „geschaffen“. Darunter den Nachtclub-Betreiber und verurteilten Straftäter Marcus Eberhardt (54), der als Prinz Marcus von Anhalt viel mediale Aufmerksamkeit erhielt. Zusammen mit seinem „Bruder“ Prinz Maximilian Michael von Anhalt (57, bürgerlich Michael Killer) zeigten die beiden in der Vergangenheit gerne und protzig ihren Lifestyle.

Weitere „Prinzen-Kinder“ von Frédéric von Anhalt sind: Oliver Bendig alias Prinz Oliver Leopold von Anhalt (45, † 2016), der an den Folgen eines Motorradunfalls starb, sowie Markus Schapallaer, der zu Prinz Alexander Eduard Maximilian von Anhalt (48) wurde. Ein weiterer adoptierter Prinz ist der Jurist Markus Wölfert (36), der als Prinz Maximilian Ferdinand Leopold von Anhalt als Rechtsanwalt und ehemaliger Faschingsprinz in der Nähe von Kassel lebt.

TV-Sternchen Gina-Lisa Lohfink (34) wollte vor einigen Jahren ebenfalls Prinzessin werden, konnte sich mit ihrem zukünftigen „Vater“ Prinz Frédéric von Anhalt jedoch nicht einigen. Auch in den ehrwürdigen Adelshäusern Schaumburg-Lippe und Sayn-Wittgenstein sind einige Ableger aus Erwachsenen-Adoptionen zu finden – glücklicherweise nicht ganz so schillernd wie die „Söhne“ von Prinz Frédéric von Anhalt. *extratipp.com ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Text: Frank Rollitz

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