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Angenommene Adelstitel: Das sind die Adoptierten von Sayn-Wittgenstein

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Die Liste der „falschen“ Fürstinnen und Fürsten „von Sayn-Wittgenstein“ wird immer länger. Woher kommen sie und wie kann man „echte“ von „falschen“ Adelstitel-Trägern unterscheiden?

Noch vor einigen Jahren hat Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (77), Chef des gleichnamigen deutschen Adelshauses, eine Liste geführt, auf der er alle „falschen“ Fürsten von Sayn-Wittgenstein notierte. Mittlerweile hat der Fürst aufgeben, denn die Zahl derer steigt und dazu kommen ja auch noch deren Nachfahren. Mittlerweile sind ihm etwa 60 falsche Fürsten von Sayn-Wittgenstein bekannt.

Schon allein am „von“ im Zusammenhang mit dem Fürstenhaus Sayn-Wittgenstein sei zu erkennen, dass es sich um keine Angehörigen des Hochadels handeln würde. Denn die Linie der Fürsten von Sayn-Wittgenstein ist im Mannesstamm erloschen. Das bedeutet, es gibt keine Nachfahren mehr und somit ist jeder, der sich „von Sayn-Wittgenstein“ nennt, quasi automatisch als falscher Adeliger enttarnt.

Angenommene Adelstitel: Das sind die Adoptierten von Sayn-Wittgenstein

Über manche dieser neuen Namensträger amüsiert sich Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, ältester Sohn der Fotografin Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (101). Doch gegen diese dubiosen Vertreter ist leider auch vor Gericht nichts entgegenzusetzen. Eine Weitergabe des Namens inklusive des früheren Adelstitels (in Deutschland heute Bestandteil des bürgerlichen Namens) per Heirat oder Erwachsenen-Adoption ist durch das heutige bürgerliche Namens- und Adoptionsrecht ermöglicht worden. Von Hochstapelei im juristischen Sinne kann, solange als wesentliches Motiv der Adoption ein „Verkauf“ des wohlklingenden Namens nicht nachgewiesen wird, daher nicht mehr gesprochen werden.

Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein mit Lebensgefährtin Sylwia Mokrysz stehen für die Fotografen nebeneinander
Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein mit Lebensgefährtin Sylwia Mokrysz im Jaguar-Showroom im Jahr 2020 in Berlin © Frederic Kern/Imago

Angenommene Adelstitel: Erst angeheiratet, dann adoptiert, dann im TV

Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein (66) gehört zu denen, über den sich auch der echte Fürst eher amüsiert. Als Karl-Heinz Richard Böswirth geboren wurde er von Bruno Lothar Fürst von Sayn-Wittgenstein adoptiert. Dieser wiederum heiratete in den 1970er-Jahren Fürstin Elisabeth Gertrud von Sayn-Wittgenstein, die letzte „echte“ Fürstin dieser Linie.

Einem breiten Publikum bekannt wurde Fürst Heinz durch seine Teilnahme an diversen Reality-TV-Formaten. Als „Der Immobilienfürst“ kaufte und verkaufte er Häuser auf Mallorca. Dort lebte er mit seiner Ehefrau Andrea Johanna in einem spektakulären Anwesen („Villa Colani“ in Calvià), die ebenfalls in zahlreichen TV-Reportagen zu sehen war. Inziwschen hat er sich von seiner Frau getrennt und die Insel verlassen. Fürst Heinz lebt mittlerweile in einem Luxusapartment in Berlin. Seine neue Freundin ist Sylwia Mokrysz, eine polnische Geschäftsfrau (Lebensmittelindustrie) und Millionärin.

Anders sieht es zum Beispiel bei Fürstin Doris von Sayn-Wittgenstein aus. Hier amüsiert sich Fürst Alexander ZU Sayn-Wittgenstein-Sayn gar nicht über die Namensträgerin, denn ihr Tun wirft ein schlechtes Licht auf den Namen Sayn-Wittgenstein – egal ob echt oder falsch.

Die 66-jährige Politikerin sitzt seit der Landtagswahl 2017 im Landtag von Schleswig-Holstein in Kiel. Sie war auch Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein, wurde aber bereits 2019 aus der Partei ausgeschlossen – wegen ihrer Unterstützung für einen vom thüringischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Verein. Doris von Sayn-Wittgenstein ging juristisch vor und ist seit April 2021 wieder AfD-Mitglied. Auch sie gehört nicht zur Familie des Fürstenhauses. Geboren als Doris Ulrich wurde sie durch Adoption zur falschen Fürstin.

Text: Frank Rollitz

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